Montag, 15. November 2010

Die letzten Wochen



Da wir uns mittlerweile schon länger nicht mehr gemeldet haben, geben wir jetzt einen Rückblick über die letzte Zeit.
Als erstes ist unser Trip nach Rio de Janeiro zu erwähnen. Anfang Oktober fuhren wir mit einer Truppe von sechs Leuten in diese wunderschöne Küstenstadt. Vier Tage lang genossen wir das Nachtleben, die wunderschönen Strände (Copacabana und Ipanema) und das gute Essen. Untergebracht waren wir bei einem Couchsurfer, (für die Älteren, das hat nichts mit großen Wellen zu tun:-)) der auf einer wunderschönen kleinen Insel in einem See Rios wohnte, die nur mit dem Boot zu erreichen und frei von jeglichem Autolärm und Schmutz war. Dies war in jedem Fall ein Highlight unserer Reise.
Wir sechs in der Nationalbibliothek mit einer Brasilianischen Führerin
Die Gässchen der Insel wo wir geschlafen haben
Blick auf die Insel

Für ein Kilo Dosen bekommt er umgerechnte circa 8€
Unsere neue Familie :)

Vera und Christian vor dem Zuckerhut
Girls from Ipanema

In unserer weiteren Freizeit haben wir mittlerweile schon ziemlich viele andere Projekte besucht und es ist sehr interessant zu sehen wie auch die anderen Freiwilligen wohnen und arbeiten. An einem sonnigen Sonntag waren wir Beispielsweise in dem Projekt Horizonte Azul, wo ein Völkerfest stattfand. Die Atmosphäre war sehr brasilianisch, sehr ausgelassen, fröhlich und bunt. Verschiedene Tänze und Aufführungen symbolisierten die Kultur anderer Länder, zudem konnte man an diversen Ständen leckere Spezialitäten probieren und kleine Dinge basteln. Das war wirklich ein entspannter Tag von dem man sehr viel mitgenommen hat und der gezeigt hat wie schön es sein kann, wenn verschiedene Kulturen aufeinander treffen.
Völkerfest in Horizonte Azul

 
Nicht nur wir besuchten die anderen Projekte in unser Umgebung sondern bekamen auch Besuch von anderen Freiwilligen. Mit ihnen erkundeten wir Sao Paulo. Standartmäßig haben wir ihnen die bekannte riesige Bankenstraße Avenida Paulista gezeigt, grade an dem Tag als die neue Präsidenten Dilma gewählt worden war. Die Freude der Brasilianer war sehr nett anzusehen. Die Menschen hatten sich mit Plakaten und Fahnen versammelt um gemeinsam sehr gesittet und gemäßigt, aber doch auch ausgelassen zu feiern. Seit den letzten Wochen wurden wir wegen der Wahlen schon immer mit lauter Musik beschallt, denn hier gehört es zum Programm der Wahlkampagnen mit gewissen Mitteln auf sich aufmerksam zu machen: Dazu gehören Autos die mit riesigen Musikboxen auf dem Dach herum fuhren und Unmengen von Zetteln die einem an jeder Ecke in die Hand gedrückt wurden. 
Doch wir haben unseren Gästen nicht nur die lauten und bewegten Ecken gezeigt, sondern auch die leisen Plätzchen, wie zum Beispiel den schönen Park Ibiapuera. Dieser Park hat einen europäischen Standart, das heißt es befinden sich viele Sportplätze, Vorrichtungen um zu Picknicken und Seen mit Enten und Gänsen darin. Im Moment kann man die Bienale dort besuchen, eine internationale Ausstellung, die alle zwei Jahre in einer anderen Stadt stattfindet. Vielleicht hat ja der ein oder andere die Bienale in Venedig vor zwei Jahren gesehen. Es Macht Spaß einen Tag in diesem Park zu verbringen und zu versuchen den Lärm, den Dreck und die schlechte Luft von Sao Paulo zu vergessen.
Was wir für weniger sehenswert halten ist der in den Reiseführern immer angepriesene japanische Stadtteil „Liberdade“. Das einzige was hier japanisch wirkte waren die wenigen Lampions und die asiatischen Restaurants, das Gefühl durch die Straßen Hongkongs zu spazieren blieb aus.
Auf einen anderen Tipp des Reiseführers konnten wir aber vertrauen: Die Markthalle im Zentrum sollte kein Besucher Sao Paulos verpassen. Das für hiesige Verhältnisse alte Gebäude, die frischen Früchte und die lauten Marktschreier, das alles trägt zur aufgeheizten Stimmung dort bei.
Wenn man dann mit frischen Früchten oder einem Fisch in der Tasche, einer Kokosnuss in der Hand und einem fetten Lächeln auf den Lippen wieder in die Realität heraustritt, so wird man direkt wieder auf den Boden der Tatsachen geholt: Man sieht viele einzelne Personen, aber auch Familien mit kleinen Kindern, die mit Pappe bedeckt am Straßenrand schlafen oder Menschen, die in den Mülltonnen nach noch Brauchbarem suchen. Wie in ganz Brasilien so liegen eben auch hier Reichtum und Armut ganz nah beieinander. Jeder muss auf seine Weise lernen damit umzugehen.


Schon in unserem zweiten Monat hier durfen wir an einem ganz besonderen Fest teilnehmen: Die Hochzeit von Renata,einer Angestellten aus unserem Projekt. Sie fand hier auf dem Gelände des „Educandario Dom Duarte“ statt, was sehr angenehm für uns war, da nun einmal die anderthalb Stunden Busfahrt wegfielen. Wir suchten also alle vier ( Anne-Sophie, Sophie, Vera und Heiko) unsere besten Kleider aus dem Kleiderschrank und auf gings. Trotz flacher Schuhe und Pulli statt Jackett wurden wir sehr freundlich empfangen.
Da die Braut katholisch, der Bräutigam jedoch evangelisch ist, war es keine kirchliche Hochzeit. Die Feier war zwar eher schlicht und fand im Essensraum der Großküche statt, doch trotzdem herrschte eine besondere, einzigartige Stimmung. Das Fest ähnelte deutschen Hochzeiten, so gab es ein riesiges Buffet, natürlich mit Reis und Bohnen, aber auch Unmengen von Fleisch, Nudeln und Salaten. Brigadeiro ( eine brasilianische Süßigkeitenspezialität) und Pralinen bildeten den krönenden Abschluss. Bis halb zwei Uhr nachts wurde getanzt, getrunken und gelacht, doch die Hochzeitstorte wurde nicht angeschnitten, denn sie war aus Plastik.

Wir drei mit dem Brautpaar

Doch natürlich machen wir nicht 24 Stunden am Tag alles zusammen. So trennten sich zum Beispiel am Wochenende des 7.-8. Novembers unsere Wege. Während es Sophie mit einer Freundin an den Strand von Guaruya verschlug, blieben Anne-Sophie und Vera in Sao Paulo, um den Fußballderby Sao Paulo gegen Corinthians anzuschauen. In letzter Minute bekamen sie getarnt als Sao Paulo-Fans noch Karten für das Spiel und kämpften sich an den Massen von Fußballbegeisterten und Polizisten vorbei zu ihren Plätzen. Das Spiel selbst lief sehr ruhig ab, vielleicht lag es an der Polizei, die allzeit bereit war, die Fans davon abzuhalten übereinander herzufallen. Die Fankurve der Corinthians übertönte den Rest des Stadions, trotz dass die Sao Paulo-Fans um uns herum nicht davon abzubringen waren jeden gegnerischen Spieler als 
„Filho da puta“ zu beschimpfen. So wurde unser Wortschatz auf eine sehr intensive Weise erweitert und wir sind uns sicher, dass wir diese Vokabel nicht mehr vergessen werden.
Die Sonne prallte vom Himmel und machte nicht nur den Fußballspielern zu schaffen, sondern auch Sophie, die sich am Strand sonnte. Leider musste sie feststellen, dass Sonnenschutzfaktor 30 auch bei bedeckter brasilianischer Sonne nicht ausreicht und so kehrte sie als leidendes rotes Etwas zurück. Nach einer Woche Bettruhe konnte sie wohl nachfühlen, wie sich eine Schlange nach der Häutung fühlt.
Mittlerweile sind wir jedoch alle wieder gesund und erholt nach einem weiteren langen Wochenende und freuen uns „mais ou menos“ auf eine neue Arbeitswoche.
Beijos und bis bald - die LIGA

1 Kommentar:

  1. Hallo ihr Lieben, es ist sehr schön von euch zu hören und auch wirklich sehr interessant. Es ist so schön, Bilder von euch zu sehen, so ist man doch etwas live dabei.
    Liebe Grüße Beate

    AntwortenLöschen